Königszeit (5)

Bildungsschatz Bibel

5. Königszeit
(1012 - 926 v. Chr.)

| 1. und 2. Samuel | 1. Kön 1-11 | Chronik 9 – 2. Chronik | Hiob | Psalmen | Sprüche | Prediger | Jesus Sirach | Weisheit |

Die Hebräer sind heimisch geworden in Kanaan. Da steht im Westen des Landes ein gefährlicher Gegner: die Philister.

David und Goliat

In diesem Augenblick höchster Gefahr schließen sich die Nachkommen Jakobs enger zusammen. Der Ruf nach einem König kommt auf. Samuel, der letzte ‘Richter’ und Prophet, widersetzt sich lange dem Willen des Volkes. Er befürchtet

  • künftige Konkurrenz zwischen König und Gott
  • Machtmissbrauch des Königs (hohe Abgaben für Hofhaltung und Kriege, Konkubinen usw.)

Letztendlich salbt Samuel Saul zum König. Er hat einzelne militärische Erfolge, fällt aber in Gottes Ungnade. Das Volk hatte schon lange einen seiner Heerführer ins Herz geschlossen: David.

Nach Sauls Tod wird David König, zuerst über den Süden, dann über ganz Israel. Er erobert Jerusalem und macht es zur Hauptstadt, baut sich einen Palast, setzt ein stehendes Heer ein und baut einen Verwaltungsapparat auf. Diese Maßnahmen sind wohl der Grund für seine großen militärischen Erfolge.

Davids Nachfolge tritt sein Sohn Salomo an. Er baut den Tempel, ist aber besonders für seine Weisheit, seine aufwendige Hofhaltung und seine vielen heidnischen Frauen bekannt. Als Strafe dafür kündet Gott den Zusammenbruch des Reiches an. Nie wieder sollte Israel in dieser Größe erblühen.

Motiv: Weisheit

Die alttestamentliche Weisheit geht davon aus, dass das Leben einer göttlichen Ordnung folgt. Erfahrungen zeigen nämlich, dass es dem, der sich an die Gebote Gottes hält, gut ergeht, und dass die Frevler fallen (Sprüche und Weisheit Salomos, Psalmen).
Dieser Optimismus kam aber in die Krise, als erkannt wurde, dass Einzelne auch zu Unrecht leiden müssen (Hiob, Prediger Salomo, Jesus Sirach).

Auch im Neuen Testament finden wir keine menschlich-verständliche Erklärung auf die Frage: “Warum muss ich leiden?” Es unterscheidet zwischen menschlicher und göttlicher Weisheit. Letztere ist für die Menschen eigentlich unerreichbar. Nur durch Christus werden alle Schätze der Weisheit zugänglich (Kol 2,3 »»).

1. und 2. Samuel

Die beiden Samuelbücher bilden in der hebräischen Bibel ursprünglich nur ein Buch. Die Samuelbücher setzen ein mit dem Ende der Richterzeit und erzählen von dem Königtum unter Saul und David.

David
1. Sam
 1-7      Samuel
 8-15     Samuel und Saul
 16-31    Saul und David

2.Sam
 1-8      Aufstieg Davids
 9-20     Regierung Davids und
          Streit die um Nachfolge
 21-24    Anhänge

1. und 2. Könige

Wie die Samuelbücher bilden die Königsbücher ursprünglich nur ein Buch. Die Königsbücher erzählen vom Ende Davids, der Regierung Salomos, der Reichsteilung, dem Ende des Nordreichs, dem Ende des Südreichs bis hin zum Exil

1. Kön
 1-2      Ende Davids
 3-11     Regierung Salomo
 12-22    geteiltes Reich

2. Kön
 1-17     geteiltes Reich; Ende des Nordreichs
 17-25    Reich Juda, Untergang, Exil

Die Chronikbücher

In der Septuaginta und der Vulgata folgen die Chronikbücher den Königsbüchern, weil sie hier auch zu den Geschichtsbüchern gerechnet werden. Im hebräischen AT stehen sie im dritten Teil unter Schriften. Auch ist ihre Aufteilung in 1. und 2. Chronikbuch sekundär und in den hebräischen Urschriften noch nicht vorhanden.

Der Name Chronik leitet sich vom Kirchenvater Hieronymus her. Der hebräische Name ist etwa mit Zeitgeschichte oder Annalen zu übersetzen. In nachexilischer Zeit war offensichtlich ein erneuter Anlass zur Geschichtsschreibung gegeben. Die Zeit von Adam bis Saul wird dabei nur knapp dargestellt, ausführlicher wird die Geschichte von David bis Kyros II. neu erzählt. Manches wird dabei bewusst übergangen, anderes ausführlicher erzählt. In allem liegt eine bewusste Neuauslegung und Neuaktualisierung der Bücher 1. Sam bis 2. Kön vor. Die Geschichte des Nordreichs wird dabei weitgehend übergangen.

Nach Meinung mancher Forscher sind die Bücher Esra und Nehemia mit den Chronikbüchern zusammenzunehmen und bilden somit das chronistische Geschichtswerk.

Grobgliederung

 1. Chronik
    1-9    Überwiegend Genealogien von Adam bis Saul
    10-29  Das Königtum Davids

 2. Chronik
    1-9    Herrschaft Salomos
    10-36  Die Könige von Juda bis zum Edikt des Kyros

Die Weisheitsliteratur

Neben den Geschichts- und Prophetenbüchern (“Gesetz und Propheten”) enthält das AT eine Gruppe von Schriften, die Luther unter die Überschrift “Lehrbücher und Psalmen” gestellt hat. Sie enthalten sehr verschiedene Arten von Texten, die aus dem Gottesdienst und der Volksfrömmigkeit stammen. Wir sprechen von weisheitlichen Texten.

Die Sprüche Salomos

enthalten Spruchweisheit aus verschiedenen Jahrhunderten und aus verschiedenen Textsammlungen. Wenn Salomo in der Überschrift besonders genannt ist, liegt es daran, dass man zu seiner Zeit wohl begonnen hat, diese Volksweisheiten aufzuschreiben; neben ihm sind aber viele andere Quellen genannt (“Worte von Weisen” 22,17; “Worte Lemuels” 31,1). Die Endredaktion dürfte um 200 v.Chr. erfolgt sein.

Solche Weisheitstexte sind im Alten Orient weit verbreitet gewesen.Was die alttestamentlichen Texte von anderen unterscheidet, ist die Anbindung an die Frömmigkeit: “Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang”; als “Toren” werden entsprechend nicht Dummköpfe, sondern Unfromme bezeichnet (9,10; 8,13). Wie unsere Sprichwörter fassen die Sprüche Lebensweisheiten kurz zusammen. In dieser Form wurden sie -vor allem mündlich – weitergegeben. Offensichtlich dienten sie auch als Unterrichtsmaterial, das ähnlich wie der Katechismus Luthers von Eltern und Lehrern an die Kinder weitergegeben und auswendig gelernt wurde (4,1-9).

Sprache: Wie die Psalmen sind auch die Sprüche Salomos in gebundener Sprache überliefert, also Dichtung; ihr Stilmittel ist der “Parallelismus membrorum” (Verdoppelung der Aussage). Beispiel: “Mein Sohn, vergiss nicht, was ich dir beigebracht habe / behalte meine Anweisungen im Gedächtnis!” (3,1) An Formen finden wir Bildworte (25,25), Zahlensprüche (30,18f.), Rätselfragen (23,29) u.v.m.

Der Prediger Salomo

lebte (trotz des Buchtitels) wohl im 3.Jh. v.Chr. Der Titel “Kohelet” bezeichnet weniger einen Prediger als vielmehr einen Weisen, der in einer Schule oder einer Versammlung lehrt (griechisch “Philosoph”!). In einem biografischen Einschub wird seine Lehre – wohl von einem Schüler – zusammengefasst mit den Worten “Es ist alles ganz nichtig” (12,8-10). Ähnlich wie im Hiobbuch wird der Tun-Ergehen-Zusammenhang des Alten Testamentes infragegestellt: dem Gerechten geht es nicht besser als dem Ungerechten, Gottes Beweggründe lassen sich nicht verstehen (8,17). Fazit: “Da merkte ich, dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben” (3,13). Allerdings in Maßen, denn: “Alles hat seine Zeit” (3.1ff).

Das Buch Hiob

lässt sich unschwer unterteilen in eine Rahmenerzählung, die in Prosa geschrieben ist (1,1 – 2,12; 42,7-17), und in einen Redeteil in dichterischer Form (3,1 – 42,16). Das Hiobbuch dürfte zwischen 500 und 300 v.Chr. verfasst worden sein, während die Hioberzählung selbst älter ist.

Ausgangspunkt der Rahmenerzählung ist eine Wette zwischen Gott und Satan, der hier allerdings kein Gegenspieler Gottes ist, sondern als eine Art “himmlischer Staatsanwalt” zu den Engeln gehört: wird Hiob auch dann fromm bleiben, wenn er dafür nicht belohnt wird? Hiob hält in allen Prüfungen stand; er wird zum leidenden Gerechten, der auch im Unglück Gott treu bleibt. In den Reden wird deutlich, dass die bis dahin geltende Vorstellung, nach der Gott Unrecht bestraft und Frömmigkeit belohnt (hier vertreten von Hiobs Freunden), fragwürdig geworden ist. Hiob wehrt sich verzweifelt gegen die Anschuldigung, er müsse gesündigt haben, wenn es ihm so schlecht gehe (8,3). So ruft er Gott als Schiedsrichter gegen Gott an, der ihn zu Unrecht bestraft (16,21) – und muss schliesslich einsehen, dass er Gottes Handeln nur akzeptieren kann (42,3). In der Rahmenerzählung ist der Akzent anders: Hiob bekommt Recht und wird entschädigt (42,7ff.).

Das Hiobbuch nimmt damit neutestamentliches Denken vorweg: auch Jesus wehrt sich dagegen, Leid und Krankheit als Folge persönlicher Verfehlung zu verstehen; Arme und Leidtragende sind trotzdem von Gott gesegnet; er selbst wird als Gerechter nicht vor dem Tod bewahrt.

Die Psalmen

Das griechische Wort “psalmos” bedeutet Lied; “Psalter” ist ursprünglich ein zehnsaitiges Instrument, auf dem Lieder begleitet wurden (Ps.33,2). In der Mehrzahl sind Psalmen wohl gesungen worden. Wir finden häufig Angaben zur Melodie und zum Begleitinstrument (Ps.55,1; 56,1). Die Psalmen sind also das Lieder- und Gebetsbuch Israels. Sie entstammen allen Epochen seiner Geschichte; einer der ersten ist das Mirjamlied nach dem Wunder vom Schilfmeer (Ex.15,21). Die Endredaktion des Psalters erfolgte um 200 v.Chr; aus dieser Zeit stammt wohl auch die Einteilung in 5 Bücher: Ps.1-41; 42-72; 73-89; 90-106; 107-150.

Sitz im Leben der Psalmen ist der Gottesdienst. Ihre heutige Anordnung geht auf die Zeit nach dem Bau des zweiten Tempels (515 v.Chr.) zurück. Aus dieser Zeit stammen wohl auch die redaktionellen Zusätze, etwa “Ein Psalm Davids, als der Prophet Nathan zu ihm kam, nachdem er bei Bathseba eingegangen war” (Ps.51,1+2; der 72.Psalm, der die Reihe der Davidpsalmen abschließt, wird gleichzeitig dem Salomo zugeordnet: V.1+20!). Ursprünglich sind die Psalmen so allgemein gefasst, dass sie von jedem mitgesprochen werden konnten, denn dafür sind sie gedacht: sie sollen nachgesungen und nachgebetet werden.

Psalmen drücken Not und Freude aus, sie klagen oder danken Gott. Mal spricht der Einzelne, mal eine Gemeinschaft von Glaubenden. Je nach Anlass hat man sie darum in verschiedene Gruppen (“Gattungen”) eingeteilt. Die folgende Aufstellung soll eine grobe Zuordnung ermöglichen:

  • Die Klagepsalmen des Einzelnen bitten Gott um Hilfe in Krankheit, Not und Verfolgung. Oft wird über einen Feind geklagt, den Gott bestrafen soll; manchmal wird aber auch Gott selbst angeklagt (Ps.22,2!). Häufig steht am Ende ein Trostwort, das möglicherweise von einem Priester oder Kultpropheten ausgesprochen wurde (Ps.60,8-10). Beispiele: Ps.3-7; 13; 22; 25-27; 28;31; 35; 38-40; 50-52; 54-57; 69-71; 86; 88; 102; 140-143.
  • Die Klagepsalmen des Volkes verbanden das Volk Israel etwa in Kriegszeiten, z.B. nach der Eroberung Jerusalems im 6.Jahrhundert: “Gott, Fremde sind in dein Land eingefallen und haben dein Heiligtum verwüstet und Jerusalem in Trümmer gelegt” (Ps.79,1). Beispiele: Ps.44; 74; 79; 83; 85; 89 (vergl. Jo.1,13-14!).
  • Die Lobpsalmen des Einzelnen danken Gott für erfahrene Hilfe (die hebräische Sprache kennt kein Wort für “danken”, stattdessen wird Gott gelobt, indem man seine Taten beschreibt). Beispiele: Ps.9; 18; 30; 40; 92; 116; 118; 138.
  • Die Hymnen preisen Gottes Schöpfermacht oder sein Wirken in der Geschichte. Beispiele: Ps.8; 19; 96; 103; 104.
  • Wallfahrtspsalmen wurden auf dem Weg zum Heiligtum gesungen: Ps.120-134.
  • Zionspsalmen freuen sich über das Wohnen Gottes unter seinem Volk: Ps.46; 48; 76.
  • Die sieben Bußpsalmen bitten Gott um Vergebung von Schuld: Ps.6; 32; 38; 51; 102; 130; 143.
  • Gesetzespsalmen drücken Freude über die Beschäftigung mit der Thora aus: Ps.1; 19; 119.
  • Vertrauenspsalmen haben die spirituelle Erfahrung Gottes zum Thema und haben vielleicht dadurch in der christlichen Geschichte eine besondere Bedeutung bekommen: Ps.23; 63; 73; 121; 139.

Jesus Sirach

Ebenso wie das Buch der Weisheit (siehe unten ») gehört auch Jesus Sirach zur biblischen Weisheitsliteratur. Es entstand auf einem ähnlichen Hintergrund wie das Buch der Weisheit, in einer Situation, als im Judentum über der Annäherung an griechisches Denken und griechische Bildung die Überlieferungen des eigenen Volkes abgewertet wurden und in Vergessenheit zu geraten drohten. In 50,27 wird der Autor genannt: Es war ein in Jerusalem lebender Jude namens Jesus, der Sohn Sirachs. Das Werk ist vermutlich um 180 v.Chr. entstanden. Ungefähr 50 Jahre später wurde es vom Enkel des Verfassers ins Griechische übersetzt und durch ein Vorwort, ein Nachwort (50,29-31) und einen Nachtrag (51,1-30) eroänzt.

Inhaltlich und formal steht das Buch dem Buch der Sprichwörter nahe. In der für die hebräische Poesie charakteristischen Form von Parallelismen enthält es Lebensweisheiten sowie Regeln für das gesellschaftliche und politische Leben. Ebenso wie das Gesetz gilt ihm auch die Weisheit als Gabe Gottes an sein Volk. Daher steht im Zentrum des Buches die Selbstvorstellung der Weisheit (24,1 -22).

Weisheit Salomo

Das Buch der Weisheit gehört zusammen mit dem Buch der Sprichwörter, mit Ijob, Kohelet (Prediger) und Jesus Sirach zu den Weisheitsschriften (s. oben, Farbseiten 27-28). Es wird oft als “Weisheit Salomos” bezeichnet, und tatsächlich spricht der Autor in Kapitel 7-9 in der ersten Person und stellt sich in 7,6-8 als der König vor, der von Gott das Geschenk der Weisheit erhielt (vgl. 1 Könige 3,5-15). Es war jedoch im Altertum ein durchaus übliches Verfahren, ein schriftstellerisches Werk unter die Autorität eines bekannten Namens zu stellen. Der Verfasser ist wohl ein gebildeter Jude aus Agypten, wahrscheinlich aus Alexandria.

Unter dem Eindruck, dass viele seiner Glaubensgenossen sich von ihrer ererbten Religion ab- und der griechischen Philosophie zuwenden, geht es ihm darum, eine Brücke vom einen zum anderen zu schlagen und zu zeigen, wo beides miteinander vereinbar ist und wo nicht. Besonders wichtig ist es ihm dabei, die politisch einflussreichen Juden dafür zu gewinnen, auf die Stimme der Glaubensweisheit ihres Volkes zu hören. Die für die gesamte Weisheit charakteristische Auseinandersetzung mit dem Schicksal des Frommen, der in der Welt nur allzuoft benachteiligt ist oder gar zugrunde gerichtet wird, wird weitergeführt. Im Unterschied zum Hiobbuch erwartet der Verfasser des Weitsbuches den Ausgleich in einem jenseitigen Leben, von dem er jedoch nur andeutend spricht. Entstanden ist das Werk zwischen 80 und 30 v. Chr.

Scroll Up